Therapie auf Russisch in Berlin: Hilfe in der Muttersprache
Es gibt Dinge, die kann man nur in der eigenen Muttersprache sagen. Ein Kummer, ein Schmerz, eine Erinnerung aus der Kindheit – all das trägt in der Sprache, in der wir aufgewachsen sind, eine Tiefe, die sich in einer erlernten Sprache oft nicht erreichen lässt. In meine Praxis in Prenzlauer Berg kommen viele Menschen, die auf Deutsch im Alltag gut zurechtkommen, aber spüren: Wenn es ums Innerste geht, fehlen die Worte. Für diese Menschen ist es eine Erleichterung zu hören: Мы можем говорить по-русски. Wir können auf Russisch sprechen.
Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie, und Russisch ist meine Muttersprache. Ich wurde in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geboren und lebe seit 2001 in Berlin. In diesem Text möchte ich erklären, warum die Arbeit in der Muttersprache so viel ausmacht – und was Sie bei mir erwartet, wenn Sie auf Russisch begleitet werden möchten. Eine russischsprachige Übersicht meiner Angebote finden Sie auch auf meiner Seite на русском.
Warum die Muttersprache in der Therapie so wichtig ist
Unsere Muttersprache ist mehr als ein Werkzeug zur Verständigung. Sie ist der Boden, auf dem unsere ersten Gefühle gewachsen sind. Das erste „Ich hab dich lieb", das erste Trostwort, das erste Schimpfen – all das haben die meisten von uns in einer bestimmten Sprache erlebt. Diese frühen emotionalen Prägungen sitzen tief, und sie sind mit den Worten verknüpft, in denen wir sie erfahren haben.
Wenn wir später in einer anderen Sprache über diese Dinge sprechen, entsteht oft eine feine Distanz. Wir können den Sachverhalt beschreiben, aber das Gefühl bleibt manchmal seltsam kühl, wie hinter Glas. In der Muttersprache dagegen kommt das Gefühl mit. Das kann anstrengend sein – und genau deshalb ist es für die therapeutische Arbeit so wertvoll. Denn wir wollen ja nicht über die Gefühle reden, sondern sie erreichen.
Ein Beispiel aus meiner Praxis
Ich erinnere mich an eine Klientin, ich nenne sie hier Ludmila, die seit über zwanzig Jahren in Deutschland lebt und fließend Deutsch spricht. Sie hatte zuvor eine deutschsprachige Beratung versucht, war aber nicht wirklich angekommen. Bei mir, als sie zum ersten Mal auf Russisch über ihre verstorbene Mutter sprach, brach etwas auf. Die Tränen kamen sofort. „Auf Deutsch", sagte sie später, „habe ich immer nur berichtet. Auf Russisch habe ich zum ersten Mal wirklich getrauert." Dieser Satz ist mir geblieben.
Zwischen zwei Welten – die Erfahrung vieler russischsprachiger Menschen
Viele meiner russischsprachigen Klient:innen kennen ein besonderes Lebensgefühl: das Leben zwischen zwei Kulturen. Man ist in Deutschland angekommen, hat sich ein Leben aufgebaut, spricht die Sprache – und trägt doch eine andere Herkunft in sich. Diese doppelte Zugehörigkeit ist ein Reichtum, aber manchmal auch eine Last. Fragen nach Heimat, nach Identität, nach dem, was man zurückgelassen hat, begleiten viele über Jahre.
Hinzu kommt oft eine familiäre Geschichte, die von Umbrüchen geprägt ist – von Auswanderung, von Trennungen, manchmal von schweren Zeiten in den Herkunftsländern. Solche Erfahrungen wirken über Generationen weiter. In meiner Arbeit mit der Familienaufstellung zeigen sich diese transgenerationalen Muster oft sehr deutlich. Ich verstehe diese Themen nicht nur fachlich, sondern aus eigenem Erleben – auch ich kenne den Weg zwischen den Welten. Mehr dazu in meinem Artikel über Muster, die sich über Generationen weitertragen.
Was ich als russische Muttersprachlerin mitbringe
Es geht nicht nur um die Vokabeln. Als Muttersprachlerin verstehe ich die feinen Zwischentöne, die kulturellen Selbstverständlichkeiten, die Redewendungen, die man nicht übersetzen kann. Ich weiß, was mitschwingt, wenn jemand von der eigenen Familie erzählt, von den Erwartungen, die auf einem lasten, von der Art, wie in vielen russischsprachigen Familien über Gefühle – oder eben nicht – gesprochen wird.
Dieses geteilte kulturelle Verständnis schafft von Anfang an eine besondere Vertrautheit. Sie müssen nicht erst erklären, warum bestimmte Dinge in Ihrer Familie so und nicht anders liefen. Ich verstehe den Kontext. Вам не нужно ничего объяснять дважды. Sie müssen nichts zweimal erklären.
Möchten Sie in Ihrer Muttersprache sprechen?
Lernen wir uns kennen – auf Russisch oder Deutsch, ganz wie es Ihnen leichter fällt. Unverbindlich und diskret. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093, per E-Mail an n.spurman@hotmail.com oder online über Online-Termin.
Woran ich auf Russisch mit Ihnen arbeite
Die Themen, die russischsprachige Menschen zu mir führen, sind so vielfältig wie das Leben selbst. Einige begegnen mir besonders häufig:
- Familie und Herkunft: Konflikte mit Eltern, Loyalitäten über Generationen, das Gefühl, den Erwartungen der Familie nie ganz zu genügen.
- Migration und Identität: Das Leben zwischen zwei Kulturen, Fragen nach Zugehörigkeit und Heimat, das Verarbeiten des Ankommens.
- Beziehungen: Wiederkehrende Muster, Trennungen, das Ringen um Nähe und Distanz.
- Trauer und Verlust: Der Abschied von Menschen, oft über große Entfernungen hinweg, wenn Angehörige weit weg gestorben sind.
- Belastende Familiengeschichten: Schweres, über das in der Familie geschwiegen wurde und das doch weiterwirkt.
Ob wir dabei in Einzelgesprächen arbeiten oder mit einer Aufstellung, entscheiden wir gemeinsam. Vieles davon findet im diskreten Einzelsetting statt, in dem alles zwischen uns bleibt.
Sie dürfen auch wechseln
Ein Missverständnis möchte ich ausräumen: Sie müssen sich nicht für eine Sprache entscheiden. Viele meiner zweisprachigen Klient:innen wechseln ganz natürlich zwischen Russisch und Deutsch, je nach Thema. Manches lässt sich leichter auf Deutsch sagen, anderes nur auf Russisch. Bei mir dürfen Sie sprechen, wie es kommt. Ich folge Ihnen in beiden Sprachen mühelos, und oft sagt gerade dieser Wechsel etwas Wichtiges darüber aus, welches Thema wo verankert ist.
Wenn Schweigen zur Familientradition wurde
In vielen russischsprachigen Familien hat das Schweigen eine lange Geschichte. Über schwere Zeiten, über Verluste, über politische Umbrüche wurde oft nicht gesprochen – manchmal aus Schutz, manchmal aus Scham, manchmal, weil es die Kraft überstieg. Dieses Schweigen wird weitergegeben. Kinder spüren, dass da etwas ist, über das man nicht redet, ohne genau zu wissen, was es ist. Sie tragen eine Last, die nie benannt wurde.
In der Aufstellungsarbeit können solche verschwiegenen Themen einen Platz bekommen. Ich erinnere mich an einen Klienten, ich nenne ihn hier Sergej, dessen Großvater in der Familiengeschichte eine Leerstelle war – man wusste, dass er verschwunden war, mehr nicht. Als wir eine Figur für ihn aufstellten, wurde Sergej sehr still. „Zum ersten Mal hat er einen Platz", sagte er. Ob das etwas löst, kann ich nicht versprechen. Aber ich sehe immer wieder, wie befreiend es sein kann, dem Verschwiegenen endlich einen Ort zu geben. Über solche generationenübergreifenden Themen habe ich auch in meinem Artikel über wiederkehrende Muster geschrieben.
Vertrautheit ohne Erklärungen
Was diese Arbeit auf Russisch besonders macht, ist die geteilte Selbstverständlichkeit. Ich weiß, wie in vielen unserer Familien mit Autorität umgegangen wird, welche Rolle die Großmutter oft spielt, wie stark der Zusammenhalt sein kann und wie schwer es fällt, aus bestimmten Erwartungen auszubrechen. Sie müssen mir das kulturelle Umfeld nicht erklären. Das schafft Zeit und Nähe – wir können gleich zum Wesentlichen kommen.
Wie ich arbeite
Vielleicht möchten Sie wissen, was Sie von mir erwarten dürfen. Ich arbeite ruhig, geduldig und ohne Druck. Ich verstehe mich nicht als Expertin, die Ihnen sagt, was in Ihrem Leben falsch läuft, sondern als Begleiterin, die den Raum hält und behutsam nachfragt. Sie kennen Ihr Leben und Ihre Familie am besten – auch wenn manches davon zunächst verborgen ist.
Seit 2012 leite ich außerdem eine russischsprachige Selbsthilfegruppe bei der Caritas. Aus dieser Arbeit kenne ich die Anliegen vieler Menschen aus der russischsprachigen Gemeinschaft in Berlin sehr genau. Ich habe über die Jahre gesehen, wie viel Kraft entsteht, wenn Menschen merken, dass sie mit ihren Themen nicht allein sind – und dass es andere gibt, die denselben Weg zwischen den Kulturen gehen. Wenn Sie sich eine Gruppe wünschen, biete ich 2026 auch Seminare und Gruppenaufstellungen an.
Russisch in Berlin – näher, als Sie denken
Berlin ist eine Stadt mit einer großen russischsprachigen Gemeinschaft. Und doch berichten mir viele Menschen, wie schwer es ist, eine muttersprachliche Begleitung für seelische Themen zu finden, der man auch wirklich vertraut. Es gibt Übersetzer, es gibt Angebote in gebrochenem Russisch – aber das ist nicht dasselbe wie ein Gegenüber, für das Russisch die Sprache des Herzens ist. Genau das biete ich an.
Meine Praxis in Prenzlauer Berg ist gut erreichbar, aus vielen Teilen Berlins in überschaubarer Zeit. Für Menschen aus dem Norden und Osten der Stadt liegt sie oft besonders günstig. Und weil ich täglich von 8 bis 20 Uhr erreichbar bin, lässt sich fast immer ein Weg finden, der zu Ihrem Alltag passt. Sie müssen nicht durch die halbe Stadt fahren, um in Ihrer Muttersprache verstanden zu werden. Мы говорим на одном языке. Wir sprechen dieselbe Sprache.
Häufige Bedenken – ehrlich beantwortet
„Mein Deutsch ist doch gut genug – brauche ich das überhaupt?"
Ob Sie es brauchen, entscheiden Sie. Aber ich erlebe immer wieder, dass Menschen mit sehr gutem Deutsch in der Muttersprache plötzlich einen ganz anderen Zugang zu ihren Gefühlen finden. Es ist kein Zeichen von schlechtem Deutsch, in der Therapie die Muttersprache zu wählen. Es ist ein Zeichen von Selbstfürsorge.
„Wird alles vertraulich behandelt?"
Ja, absolut. Was in meinem Raum geschieht, bleibt zwischen uns. Ich arbeite als Selbstzahlerpraxis, das heißt, es gibt keine Meldung an eine Krankenkasse, keine Diagnose in einer Akte. Gerade in einer Gemeinschaft, in der man sich manchmal kennt, ist diese Diskretion vielen wichtig.
„Ich schäme mich, über bestimmte Dinge zu sprechen."
Das ist menschlich, und Sie sind damit nicht allein. In vielen russischsprachigen Familien wurde über Gefühle wenig gesprochen, und es fällt schwer, mit dieser Prägung zu brechen. In meinem Raum gibt es dafür keinen Grund zur Scham. Wir gehen in Ihrem Tempo, und Sie zeigen nur so viel, wie Sie möchten.
„Bringt mir das etwas?"
Versprechen kann ich nichts, das wäre unseriös. Was ich sagen kann: Viele Menschen erleben es als große Erleichterung, endlich in ihrer eigenen Sprache verstanden zu werden. Ob das bei Ihnen so ist, finden wir am besten in einem unverbindlichen Kennenlerngespräch heraus.
Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten
Ich möchte fair und ehrlich bleiben. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie ersetze ich keine ärztliche Behandlung, und die Familienaufstellung ist eine erfahrungsorientierte, nicht wissenschaftlich anerkannte Methode. Wenn Sie sich in einer akuten seelischen Krise befinden, wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder wenn eine ernsthafte Erkrankung im Raum steht, dann suchen Sie bitte ärztliche Abklärung. In akuten Krisen erreichen Sie in Berlin rund um die Uhr den Krisendienst Berlin unter 030 390 63 00.
So finden Sie zu mir
Meine Praxis liegt in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, fußläufig vom U-Bahnhof Eberswalder Straße und vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Termine gibt es oft kurzfristig, nicht selten schon in wenigen Tagen. Ich bin täglich von 8 bis 20 Uhr erreichbar – auf Russisch oder Deutsch, ganz wie Sie mögen.
Wenn Sie beim Lesen gespürt haben, dass Ihnen in Ihrer eigenen Sprache manches leichter über die Lippen käme, dann lade ich Sie herzlich ein, den ersten Schritt zu gehen. Я буду рада вас выслушать. Ich höre Ihnen gern zu.
Ihr erster Schritt – ein Kennenlerngespräch
Lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – auf Russisch oder Deutsch, unverbindlich, oft schon in wenigen Tagen. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093, per E-Mail an n.spurman@hotmail.com oder online über Online-Termin.