Essstörungen verstehen: ein gesünderes Verhältnis zum Essen finden
„Es geht doch gar nicht ums Essen." Diesen Satz hat eine junge Frau einmal zu mir gesagt, fast erstaunt über sich selbst, mitten in einem Gespräch, in dem es die ganze Zeit ums Essen gegangen war – um Kalorien, um Kontrolle, um Regeln, um Scham. Und sie hatte recht. Bei Essstörungen geht es fast nie wirklich ums Essen. Der Teller ist die Bühne, auf der etwas anderes aufgeführt wird: ein Ringen um Kontrolle, um Wert, um Nähe, um einen Umgang mit Gefühlen, für die es keine anderen Worte gab. Wer das versteht, versteht, warum gut gemeinte Ratschläge – „Iss doch einfach normal" – so vollständig ins Leere gehen.
Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin-Prenzlauer Berg. In diesem Text möchte ich Ihnen helfen, ein gestörtes Verhältnis zum Essen besser zu verstehen, und ehrlich sagen, wo meine Begleitung sinnvoll ist und wo medizinische Behandlung an den Anfang gehört. Alle Beispiele sind anonymisiert und aus mehreren Geschichten zusammengesetzt.
Wenn Essen zum Schlachtfeld wird
Ein gesundes Verhältnis zum Essen ist unauffällig. Man isst, wenn man Hunger hat, hört auf, wenn man satt ist, und denkt ansonsten nicht viel darüber nach. Bei einer Essstörung ist genau diese Selbstverständlichkeit verloren gegangen. Essen wird zum Dauerthema – kontrolliert, gefürchtet, ersehnt, bereut. Der Kopf ist ständig damit beschäftigt: mit dem, was erlaubt ist und was verboten, mit dem eigenen Körper, mit Zahlen auf der Waage.
Essstörungen zeigen sich in verschiedenen Formen. Bei der Magersucht steht das rigorose Hungern und die Angst vor Gewichtszunahme im Vordergrund. Bei der Bulimie wechseln sich Essanfälle und Gegenmaßnahmen wie Erbrechen ab, oft heimlich und von tiefer Scham begleitet. Bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu wiederkehrenden Essanfällen ohne Gegensteuern. Und dazwischen liegt ein weites Feld eines gestörten, quälenden Verhältnisses zum Essen, das keiner klaren Schublade folgt, aber trotzdem sehr belastet. Gemeinsam ist allen, dass das Essverhalten die Aufgabe übernommen hat, ein inneres Ungleichgewicht zu regulieren.
Ein wichtiger Hinweis vorweg: bitte ärztlich abklären lassen
Bevor ich weiterschreibe, gehört ein Punkt an den Anfang, den ich sehr ernst nehme. Essstörungen sind ernsthafte, teils lebensbedrohliche Erkrankungen. Eine Magersucht kann den Körper in Lebensgefahr bringen, wiederholtes Erbrechen kann Herz und Stoffwechsel schwer schädigen. Deshalb gilt ohne Wenn und Aber: Bei einer Essstörung gehört eine ärztliche Abklärung und Behandlung an den Anfang. Dazu gehört die Kontrolle des körperlichen Zustands ebenso wie, je nach Schwere, eine spezialisierte psychotherapeutische oder klinische Behandlung.
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie behandle ich keine Essstörung im Alleingang. Ich kann Menschen begleitend und ergänzend unterstützen – neben oder nach einer medizinischen Behandlung –, aber niemals als deren Ersatz. Und ich sage Ihnen offen, wenn ich merke, dass Sie zuerst oder zusätzlich ärztliche Hilfe brauchen. Bitte lesen Sie das nicht als Abwehr, sondern als das, was es ist: Verantwortung Ihnen gegenüber.
Warum es fast nie ums Essen geht
Kehren wir zu dem Satz vom Anfang zurück. Wenn es nicht ums Essen geht – worum dann? In meiner Arbeit sehe ich immer wieder dieselben tieferen Themen durchscheinen.
Oft geht es um Kontrolle. In einem Leben, das sich unüberschaubar oder überfordernd anfühlt, wird der eigene Körper zum einzigen Bereich, in dem man noch bestimmen kann. Was hineindarf und was nicht – das wird zur letzten verlässlichen Sicherheit. Oft geht es um Wert: Wenn jemand früh gelernt hat, dass Liebe an Bedingungen hängt, an Leistung, an Aussehen, dann wird der Körper zum Ort, an dem man um Anerkennung ringt. Und oft geht es um Gefühle
Diese Zusammenhänge reichen manchmal weit zurück – in die Kindheit, manchmal sogar in die Familiengeschichte hinein, in weitergegebene Botschaften über Körper, Disziplin und Wert. Wer diese tiefere Ebene interessiert, findet in meinem Artikel über transgenerationale Muster mehr. Der Punkt ist: Solange nur das Essverhalten bekämpft wird, ohne zu verstehen, welche Aufgabe es erfüllt hat, bleibt die Wunde offen. Deshalb möchte ich verstehen statt nur Symptome dämpfen.
Die Rolle von Scham und Heimlichkeit
Kaum eine Erkrankung ist so von Scham umgeben wie die Essstörung, und kaum eine lebt so sehr im Verborgenen. Essanfälle passieren heimlich, das Erbrechen wird versteckt, das Hungern hinter weiten Kleidern und Ausreden getarnt. Diese Heimlichkeit ist kein Randphänomen – sie ist Teil der Erkrankung, und sie macht sie so hartnäckig. Denn was geheim bleibt, kann nicht heilen.
Genau deshalb ist der erste ausgesprochene Satz oft der wichtigste. In meiner Praxis erlebe ich, wie viel sich löst, wenn jemand zum ersten Mal offen darüber spricht, ohne verurteilt zu werden. Ich weiß, wie viel Mut das kostet. Und ich sorge dafür, dass mein Raum ein Ort ist, an dem diese Heimlichkeit enden darf – ruhig, wertfrei, diskret.
Sie tragen das schon zu lange allein?
Sie müssen nicht warten, bis es „schlimm genug" ist. Lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – ergänzend zu ärztlicher Hilfe, wo sie nötig ist. Unverbindlich und diskret. Sie erreichen mich täglich 8–20 Uhr unter +49 1573 0208093 und online über Online-Termin.
Wie meine Begleitung aussieht – und wo ihre Grenze liegt
Lassen Sie mich hier noch einmal klar sein. Die medizinische und, bei schweren Verläufen, die spezialisierte klinische Behandlung einer Essstörung gehört an den Anfang und in fachkundige Hände. Diese kann ich nicht ersetzen. Was ich begleitend anbieten kann, hat dennoch seinen wichtigen Platz: die seelische Arbeit neben oder nach der Behandlung, an dem, was unter dem Essverhalten liegt.
Konkret heißt das: Wir schauen gemeinsam, welche Aufgabe die Essstörung in Ihrem Leben übernommen hat – welche Kontrolle sie herstellt, welchen Schmerz sie betäubt, welchen Wert sie zu sichern versucht. Wir arbeiten daran, andere Wege zu finden, mit Gefühlen und mit dem eigenen Wert umzugehen, sodass das Essen seine Sonderrolle verlieren kann. Das ist geduldige, tiefenpsychologisch fundierte Arbeit, und sie braucht einen ruhigen, sicheren Rahmen. Genau den biete ich in meiner Einzelarbeit.
Sie sitzen dabei in einem ruhigen 1:1-Raum in der Schliemannstraße 41 in Prenzlauer Berg – kein Abfertigen, die Zeit gehört Ihnen. Wenn im Verlauf ein Familienmuster sichtbar wird, etwa weitergegebene Botschaften über Körper und Wert, lässt sich meine Gesprächsarbeit gut mit Aufstellungsarbeit verbinden. Ich arbeite auf Deutsch und Russisch – ich bin russische Muttersprachlerin. Termine bekomme ich meist kurzfristig unter, oft in wenigen Tagen (mehr dazu in meinem Text zur Wartezeit), und meine Arbeit ist diskret: keine Kassenmeldung, keine Diagnose in einer Akte.
Erste Schritte, die Sie gehen können
- Sprechen Sie es aus. Einem Menschen, einer Ärztin, einer Beratungsstelle. Der Schritt aus der Heimlichkeit heraus ist der schwerste und der wichtigste.
- Suchen Sie ärztlichen Rat, um Ihren körperlichen Zustand einschätzen zu lassen – gerade das nimmt vielen eine große, oft unbewusste Sorge.
- Beobachten Sie ohne Urteil, in welchen Situationen und bei welchen Gefühlen der Drang stärker wird. Diese Verbindungen zu erkennen ist der Anfang von Veränderung.
- Seien Sie geduldig mit sich. Ein gesünderes Verhältnis zum Essen entsteht nicht über Nacht und nicht über Strenge. Rückschritte gehören dazu und sind kein Scheitern.
Häufige Einwände – und meine Antworten
„Bin ich überhaupt ‚krank genug' für Hilfe?"
Diese Frage stellen sich gerade Menschen mit Essstörungen sehr oft – und sie ist selbst ein Teil des Musters, das Sich-nicht-wichtig-genug-Nehmen. Meine Antwort: Sie müssen kein bestimmtes Gewicht haben und keine bestimmte Diagnose, um Unterstützung zu verdienen. Wenn Ihr Verhältnis zum Essen Sie quält, ist das Grund genug. Und je früher, desto leichter der Weg.
„Bin ich bei Ihnen richtig – oder brauche ich einen Arzt?"
Bei einer Essstörung gehört die ärztliche Abklärung an den Anfang; meine Arbeit versteht sich daneben als begleitend. Im Kennenlerngespräch schauen wir ehrlich, was Sie brauchen, und wenn ich merke, dass ärztliche oder klinische Hilfe vorgeht, sage ich es Ihnen klar und helfe Ihnen, den nächsten Schritt zu finden.
„Bringt Reden überhaupt etwas?"
Reden allein ersetzt keine Behandlung. Aber die seelische Arbeit an dem, was unter dem Essverhalten liegt, ist oft das, was einen dauerhaften Weg heraus möglich macht. Viele Menschen erleben Erleichterung schon dadurch, dass sie endlich verstehen, worum es eigentlich geht. Eine Garantie gebe ich nicht – aber ich begleite Sie ehrlich.
„Ist mir das zu teuer, und muss ich mich schämen?"
Eine Einzelsitzung kostet 90 € (55 Minuten), 120 € (90 Minuten) oder 160 € (120 Minuten); bei Direktbuchung von Paketen sparen Sie 10 bis 20 Prozent, gültig ein Jahr. Alle Zahlen stehen auf der Seite Kosten. Weil die Kasse nicht zahlt, entsteht auch keine Diagnose in einer Akte. Und schämen müssen Sie sich nicht – für nichts. Sie treffen bei mir auf jemanden, der weiß, dass hinter jeder Essstörung ein Mensch mit einer Geschichte steht.
Zum Schluss: Ein friedlicheres Verhältnis zum Essen ist möglich
Ich habe Menschen begleitet, für die das Essen vom Schlachtfeld wieder zu etwas Alltäglichem wurde – nicht perfekt, aber friedlicher. Der Weg dorthin führt nicht über mehr Strenge und mehr Kontrolle, sondern über das genaue Gegenteil: über Verstehen, über Milde mit sich selbst, über das Anschauen dessen, was der Teller so lange verdeckt hat. Das braucht Mut und braucht Zeit, und es braucht in aller Regel ärztliche Begleitung an der Seite. Aber es ist möglich.
Dass Sie diesen Text gelesen haben, ist ein Zeichen, dass ein Teil von Ihnen bereit ist, hinzuschauen. Sie müssen den Weg nicht allein gehen. Ein ruhiger Anfang genügt.
Lernen wir uns kennen.
In einem unverbindlichen, diskreten Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – ergänzend zu ärztlicher Hilfe, wo sie nötig ist. Meine Praxis liegt in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, Termine sind meist kurzfristig möglich, auf Deutsch oder Russisch. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093 (täglich 8–20 Uhr) oder per E-Mail an n.spurman@hotmail.com, schreiben Sie mir über die Kontaktseite und buchen Sie online über Online-Termin. Mehr über meinen Weg lesen Sie hier.