Ist Familienaufstellung wissenschaftlich? Eine ehrliche Einordnung
Lassen Sie mich mit einer Frage beginnen, die mir in Erstgesprächen immer wieder gestellt wird – manchmal vorsichtig, manchmal fast ein bisschen herausfordernd: „Ist das eigentlich wissenschaftlich, diese Familienaufstellung?" Ich mag diese Frage. Denn sie zeigt, dass jemand mitdenkt, nicht alles glaubt, was schön klingt, und wissen möchte, worauf er sich einlässt. Genau diese Haltung wünsche ich mir von den Menschen, die zu mir kommen. Und deshalb bekommen Sie hier keine Werbebroschüre, sondern eine ehrliche Einordnung.
Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin-Prenzlauer Berg, und ich arbeite seit vielen Jahren mit Aufstellungen – im Einzelsetting am Tisch und in Gruppen. Ich habe erlebt, wie Menschen dabei etwas begreifen, das sie vorher jahrelang nur diffus gespürt hatten. Ich habe aber auch erlebt, wie das Verfahren überhöht und mit Versprechen aufgeladen wird, die es nicht halten kann. Beides gehört zur Wahrheit. Wenn Sie am Ende dieses Textes ein klareres, nüchterneres Bild haben, hat er seinen Zweck erfüllt.
Was Familienaufstellung eigentlich ist
Vielleicht kurz für alle, die den Begriff nur vage kennen. Bei einer Familienaufstellung wird ein inneres Beziehungsgefüge sichtbar gemacht – das eigene Herkunftssystem, die aktuelle Familie, manchmal auch ein Team oder ein anderes Anliegen. In der klassischen Gruppenform stellt eine Person stellvertretend andere Menschen in den Raum, die die Familienmitglieder repräsentieren. Diese Stellvertreter berichten dann, wie sie sich an ihrem Platz fühlen. Im Einzelsetting, wie ich es oft in meiner Praxis nutze, arbeiten wir stattdessen mit Figuren oder Bodenankern auf dem Tisch – kleiner, ruhiger, aber im Kern derselbe Vorgang: Das Unsichtbare bekommt eine Gestalt, die man anschauen kann.
Das Verfahren geht in seiner bekanntesten Ausprägung auf Bert Hellinger zurück und hat Wurzeln in der systemischen Familientherapie, im Psychodrama und in der Skulpturarbeit von Virginia Satir. Es ist also nicht vom Himmel gefallen, sondern steht in einer therapeutischen Tradition. Gleichzeitig hat gerade Hellingers spätere Arbeit Deutungen und ein Menschenbild hervorgebracht, die ich – das sage ich offen – nicht in allem teile. Ich nutze die Methode als Werkzeug, nicht als Weltanschauung. Diesen Unterschied halte ich für wichtig, und ich komme darauf zurück.
Die ehrliche Antwort: Nein, sie ist nicht wissenschaftlich belegt
Damit wir es klar auf dem Tisch haben: Familienaufstellung ist kein wissenschaftlich anerkanntes, evidenzbasiertes Psychotherapieverfahren. Sie ist nicht in denselben kontrollierten Studien untersucht wie etwa die Verhaltenstherapie oder die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Es gibt einige kleinere Studien und Erfahrungsberichte, die auf positive Effekte hindeuten, aber die Datenlage ist dünn, methodisch angreifbar und reicht nicht aus, um von einem gesicherten Wirknachweis zu sprechen. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, überzieht.
Ich könnte an dieser Stelle nun anfangen, das schönzureden. Ich tue es nicht. Denn ich glaube, dass eine Methode nur dann verantwortlich eingesetzt werden kann, wenn man ihre Grenzen kennt und benennt. Eine Aufstellung ist keine Behandlung im medizinischen Sinn, sie heilt keine Krankheit, und sie ersetzt weder eine ärztliche Abklärung noch eine leitliniengerechte Psychotherapie, wenn es die braucht. Das ist keine Bescheidenheitsfloskel, sondern die nüchterne Grundlage, auf der ich arbeite.
Warum biete ich sie dann überhaupt an? Weil „nicht wissenschaftlich belegt" und „wirkungslos" zwei völlig verschiedene Dinge sind. Viele wertvolle Erfahrungen im menschlichen Leben sind nicht in Studien gegossen. Und gerade in der Psyche ist die Kluft zwischen dem, was messbar ist, und dem, was Menschen als hilfreich erleben, oft groß. Genau diese Kluft möchte ich Ihnen im nächsten Abschnitt erklären.
Warum „nicht bewiesen" nicht „wirkungslos" heißt
Stellen Sie sich vor, jemand sitzt bei mir und stellt zum ersten Mal seine Herkunftsfamilie mit Figuren auf. Er stellt den Vater weit weg, fast am Tischrand. Die Mutter dicht neben sich. Und den früh verstorbenen Bruder, über den zu Hause nie gesprochen wurde, stellt er – ohne nachzudenken – mit dem Rücken zu allen anderen. Dann tritt er einen Schritt zurück, schaut auf das Bild, das er selbst gerade gebaut hat, und wird still. „Das habe ich noch nie so gesehen", sagt er dann oft. In diesem Moment passiert etwas, das keine Studie einfangen muss, damit es real ist: Ein innerer Zustand wird nach außen sichtbar und dadurch überhaupt erst besprechbar.
Was hier wirkt, ist kein esoterisches Wunder. Es sind gut nachvollziehbare psychologische Mechanismen: die Kraft der Externalisierung, wenn ein diffuses Gefühl eine anschaubare Form bekommt. Der Perspektivwechsel, wenn man das eigene System von außen betrachtet statt mitten drin zu stecken. Die Aktivierung von Wissen, das man längst hat, aber nicht in Worte fassen konnte. Und schlicht die konzentrierte, geschützte Aufmerksamkeit für ein Thema, dem man im Alltag ausweicht. Nichts davon braucht Metaphysik. Es braucht einen ruhigen Raum, eine erfahrene Begleitung und die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen.
Deshalb formuliere ich es so vorsichtig, wie es der Wahrheit entspricht: Eine Aufstellung kann einen Perspektivwechsel anstoßen, und viele Menschen erleben sie als bewegend und klärend. Ob sie das auch für Sie tut, kann ich Ihnen nicht garantieren – niemand kann das seriös.
Was die Forschung sagt – und was nicht
Wenn wir schon bei der Wissenschaftlichkeit sind, will ich Ihnen den Stand nicht vorenthalten, so gut er sich zusammenfassen lässt.
Der systemische Boden ist besser belegt als die Aufstellung selbst
Die systemische Therapie – also die grundlegende Idee, dass ein Mensch immer im Kontext seiner Beziehungen zu verstehen ist – gehört inzwischen zu den wissenschaftlich anerkannten Verfahren und wurde in Deutschland sozialrechtlich zugelassen. Das ist ein wichtiger Unterschied: Der Denkrahmen, in dem Aufstellungen stehen, ist gut fundiert. Die spezifische Methode der Aufstellung ist es nicht im gleichen Maße.
Die Studienlage zur Aufstellung ist schmal
Es existieren einige Untersuchungen, die nach Aufstellungen Verbesserungen im Erleben der Teilnehmenden berichten. Aber diese Studien haben oft kleine Fallzahlen, keine Kontrollgruppen, kurze Beobachtungszeiträume und das bekannte Problem, dass wer freiwillig zu einer Aufstellung geht, ohnehin veränderungsbereit ist. Seriös lässt sich daraus ableiten: Es gibt Hinweise, aber keinen Beweis. Als kritischer Mensch würde ich sagen – und ich bin gern ein kritischer Mensch – die Wirkung ist plausibel, aber nicht gesichert.
Das sogenannte „wissende Feld" ist eine Deutung, kein Fakt
Ein Phänomen, das in Gruppenaufstellungen immer wieder verblüfft, ist, dass fremde Stellvertreter Gefühle und Körperempfindungen berichten, die zur echten Person zu passen scheinen, obwohl sie nichts über sie wissen. Manche erklären das mit einem geheimnisvollen „wissenden Feld". Ich halte davon wenig. Wahrscheinlicher sind feine, unbewusste Wahrnehmungen: Körperhaltung, Mimik, Positionierung, kleinste Signale, die wir alle ständig senden und lesen. Das ist nicht weniger faszinierend – aber es ist Psychologie, nicht Magie. Ich sage das, weil Sie ein Recht darauf haben zu wissen, dass ich nicht an ein mystisches Feld appelliere, sondern an Ihre eigene, kluge Wahrnehmung.
Neugierig, aber skeptisch? Genau richtig.
Wenn Sie herausfinden möchten, ob Aufstellungsarbeit zu Ihrem Anliegen passt, lernen wir uns in Ruhe kennen und schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann. Unverbindlich. Sie erreichen mich täglich 8–20 Uhr unter +49 1573 0208093 und online über Online-Termin.
Wie ich Aufstellungen verantwortlich einsetze
Aus dieser Nüchternheit folgt für meine Praxis eine klare Haltung. Ich verkaufe Ihnen keine Wunder. Ich verspreche keine Heilung, keine „Auflösung" von Krankheiten, keine Garantie, dass sich nach einer Sitzung Ihr Leben wendet. Was ich anbiete, ist etwas Bescheideneres und, wie ich finde, Wertvolleres: einen sorgfältig gehaltenen Raum, in dem Sie Ihr eigenes System einmal von außen anschauen können.
Konkret heißt das: Ich kläre vorher mit Ihnen, ob eine Aufstellung überhaupt das Richtige für Ihr Anliegen ist. Ich arbeite ruhig und dosiert, ohne Drama und ohne Überwältigung. Ich lasse Ihnen die Deutungshoheit – Sie entscheiden, was ein Bild für Sie bedeutet, nicht ich. Und ich achte darauf, dass eine Aufstellung nicht als loses Einzelerlebnis stehen bleibt, sondern eingebettet ist. Denn ein bewegender Nachmittag verpufft, wenn danach niemand hilft, das Erlebte in den Alltag zu übersetzen. Genau deshalb verbinde ich Aufstellungsarbeit gern mit begleitender Einzeltherapie: Die Aufstellung öffnet ein Fenster, die Gesprächsarbeit hilft, durch dieses Fenster auch wirklich hindurchzugehen.
Wie eine solche Sitzung konkret abläuft und was andere dabei erlebt haben, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel über Familienaufstellung und in den Erfahrungsberichten. Wer die tiefere Ebene wiederkehrender Familienmuster interessiert, findet in meinem Text über transgenerationale Prägungen mehr.
Für wen es passt – und für wen nicht
Diese Ehrlichkeit gehört auch hierher. Aufstellungsarbeit ist nicht für jeden und nicht für alles das Richtige.
Sie kann unterstützen, wenn Sie das Gefühl haben, in Ihrer Familie oder in Ihren Beziehungen dasselbe Muster immer wieder zu erleben, ohne zu verstehen, woher es kommt. Wenn Sie mit einer alten Verstrickung, einer ungeklärten Loyalität oder einem sprachlosen Thema aus der Herkunftsfamilie ringen. Wenn Sie eine Entscheidung mit sich tragen und mehr Klarheit über die inneren Kräfte suchen, die daran ziehen. Viele Menschen, die zu mir kommen, sind an genau so einem Punkt.
Sie ist nicht das Richtige – jedenfalls nicht als alleiniger Weg – bei ernsthaften psychischen Erkrankungen. Bei einer akuten Depression, einer psychotischen Erkrankung, einer schweren Traumafolgestörung, einer akuten Suchterkrankung oder in einer akuten Krise gehört die Behandlung in ärztliche beziehungsweise ärztlich-psychotherapeutische Hände. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie behandle ich solche Erkrankungen nicht. Ich kann in manchen dieser Fälle begleitend und ergänzend tätig sein, aber nur, wenn die medizinische Grundversorgung steht – und ich sage Ihnen offen, wenn ich denke, dass Sie zuerst woanders hingehören. Diese Grenze ziehe ich klar. Sie ist Teil meiner Verantwortung.
Häufige Einwände – und meine ehrlichen Antworten
„Das klingt mir alles zu esoterisch."
Dann sind wir vielleicht gar nicht so weit auseinander. Ich bin selbst kein esoterischer Mensch, und ich werbe hier bewusst nicht mit Energien und Feldern. Ich verstehe Aufstellung als eine erfahrungsorientierte Methode, die mit gut erklärbaren psychologischen Mechanismen arbeitet. Wenn Sie skeptisch bleiben und trotzdem neugierig sind, ist das für mich die beste Ausgangslage. Skepsis stört eine Aufstellung nicht. Sie schützt sie sogar vor Überhöhung.
„Bringt Reden – oder Figuren-Stellen – überhaupt etwas?"
Eine faire Frage. Meine ehrliche Antwort: Eine Garantie gibt es nicht, und ich verspreche keine. Was ich aus vielen Jahren sagen kann: Sehr viele Menschen erleben es als entlastend, ein Thema, das sie nur im Kopf gewälzt haben, endlich sehen und benennen zu können. Nicht Reden allein wirkt – sondern das gemeinsame, geordnete Anschauen dessen, was vorher unsortiert war. Ob das für Sie stimmt, finden wir im Kennenlerngespräch heraus.
„Bin ich bei Ihnen richtig – oder brauche ich eher einen Arzt?"
Das klären wir gleich zu Beginn, und ich nehme diese Frage sehr ernst. Wenn hinter Ihrem Anliegen eine behandlungsbedürftige Erkrankung stehen könnte, gehört eine ärztliche Abklärung an den Anfang – das rate ich Ihnen dann klar, ohne Wenn und Aber. Meine Arbeit versteht sich in solchen Fällen als begleitend, nie als Ersatz. Lieber verweise ich Sie einmal zu viel weiter als einmal zu wenig.
„Ist mir das nicht zu teuer?"
Verständlich, dass Sie das fragen. Eine Einzelsitzung kostet bei mir 90 € für 55 Minuten, 120 € für 90 Minuten oder 160 € für 120 Minuten; eine Aufstellung braucht meist etwas mehr Zeit. Buchen Sie ein Paket direkt, sparen Sie zwischen 10 und 20 Prozent, und die Pakete sind ein Jahr gültig. Alle Zahlen finden Sie transparent auf der Seite Kosten. Die gesetzliche Kasse übernimmt das nicht – was den Nachteil hat, dass Sie selbst zahlen, aber den oft unterschätzten Vorteil, dass keine Diagnose in einer Akte landet und nichts an eine Kasse gemeldet wird. Für viele ist diese Diskretion Gold wert.
„Muss ich mich schämen, dass ich so etwas ausprobiere?"
Ganz und gar nicht. Sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen ist ein Zeichen von Reife, nicht von Schwäche. Und dass Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben – mit all seiner Skepsis – zeigt, dass Sie genau die Haltung mitbringen, die ich schätze.
Wie eine Begleitung bei mir beginnt
Der erste Schritt ist immer ein Kennenlerngespräch. Wir schauen gemeinsam, was Sie beschäftigt, ob eine Aufstellung überhaupt passt oder ob eher die ruhige Einzelarbeit das Richtige für Sie ist, vielleicht auch eine Gruppe. Unverbindlich, ohne dass Sie sich zu irgendetwas verpflichten. Meine Praxis liegt in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, ein ruhiger 1:1-Raum, in dem Sie nicht das Gefühl haben, in einer Abfertigung zu sitzen. Ich arbeite tiefenpsychologisch fundiert – mir geht es darum, zu verstehen, was Sie trägt und was Sie hält, nicht nur darum, Symptome zu dämpfen. Gespräche sind auf Deutsch und Russisch möglich, ich bin russische Muttersprachlerin. Termine bekomme ich oft schon in wenigen Tagen unter, und wenn es für Sie leichter ist, sind auch Hausbesuche möglich.
Wenn Sie neugierig geworden sind, wer hinter dieser Arbeit steht, lesen Sie gern über mich. Und wenn Sie das Gefühl kennen, immer wieder in denselben Beziehungsmustern zu landen, hilft Ihnen vielleicht mein Artikel zu wiederkehrenden inneren Mustern weiter, während der Text zur Wartezeit erklärt, warum kurzfristige Termine gerade in belastenden Phasen so viel ausmachen.
Zum Schluss: Eine ehrliche Methode für ehrliche Menschen
Wenn ich diesen langen Text in einem Satz zusammenfassen soll, dann so: Familienaufstellung ist nicht wissenschaftlich bewiesen, aber sie ist auch nicht wirkungslos – sie ist eine erfahrungsorientierte Methode, die vielen Menschen einen Perspektivwechsel schenkt, wenn sie verantwortlich und ohne falsche Versprechen eingesetzt wird. Genau so setze ich sie ein.
Sie müssen nicht daran „glauben", damit es Ihnen etwas bringen kann. Sie müssen nur bereit sein, ehrlich hinzuschauen – und ich sorge dafür, dass Sie das in einem sicheren, ruhigen Rahmen tun können, in dem auch Ihre Skepsis willkommen ist. Vielleicht ist das der beste Grund, es einmal auszuprobieren.
Lernen wir uns kennen.
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – ehrlich, ruhig und ohne falsche Versprechen. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093 (täglich 8–20 Uhr) oder per E-Mail an n.spurman@hotmail.com, schreiben Sie mir über die Kontaktseite und buchen Sie online über Online-Termin.