116117 und Psychotherapie: Ihre Alternativen in Berlin
Wer in Berlin psychotherapeutische Unterstützung sucht, bekommt fast immer denselben Tipp: „Ruf die 116117 an.“ Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung ist tatsächlich ein wichtiger erster Schritt – sie vermittelt zeitnah einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Viele Menschen erleben danach aber eine Ernüchterung: Das Erstgespräch hat stattgefunden, doch ein fester Platz für eine längere Behandlung ist nicht in Sicht. In diesem Beitrag erkläre ich offen und transparent, was die 116117 bei Psychotherapie leisten kann, wo ihre Grenzen liegen und welche Alternativen es in Berlin gibt, wenn Sie nicht monatelang warten möchten.
Was macht die 116117 Terminservicestelle bei Psychotherapie?
Die bundesweite Nummer 116117 gehört zum ärztlichen Bereitschaftsdienst und zu den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Für gesetzlich Versicherte, die psychotherapeutische Hilfe suchen, übernimmt sie vor allem eine Aufgabe: Sie vermittelt einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Sie können dort anrufen oder den Online-Service nutzen.
Die Sprechstunde ist der offizielle Einstieg in die ambulante Psychotherapie über die gesetzliche Krankenversicherung. In diesem Gespräch wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, ob eine Behandlung sinnvoll erscheint und welche Form passen könnte. Manchmal zeigt sich auch, dass eine Beratungsstelle, eine Selbsthilfegruppe oder eine ärztliche Abklärung der bessere nächste Schritt ist.
Wird in der Sprechstunde ein dringender Bedarf festgestellt, kann die Terminservicestelle außerdem einen Termin für eine Akutbehandlung vermitteln. Das ist eine kurzfristige Intervention, die Menschen in einer akuten Belastung stabilisieren soll. Sie ist zeitlich begrenzt und ersetzt keine längere Therapie.
Was die 116117 in der Regel nicht vermittelt
Hier liegt das häufigste Missverständnis. Die Terminservicestelle vermittelt Sprechstunden und gegebenenfalls Akutbehandlungen – einen Platz für eine Richtlinienpsychotherapie, also eine reguläre Kurzzeit- oder Langzeittherapie, kann sie meist nicht direkt garantieren. Diesen Platz müssen viele Menschen nach der Sprechstunde selbst suchen: Praxen anrufen, sich auf Wartelisten setzen lassen, immer wieder nachfragen. Je nach Bezirk, Verfahren und Praxis dauert das oft Monate.
Das ist niemandem vorzuwerfen, der dort arbeitet. Es spiegelt schlicht wider, dass es mehr Anfragen als freie Behandlungsplätze mit Kassenzulassung gibt. Wie Psychotherapie künftig finanziert und vergütet wird, wird derzeit politisch diskutiert – wie sich das konkret auf die Versorgung auswirkt, ist offen. Für Betroffene zählt vor allem eine Frage: Was kann ich jetzt tun?
Mehr dazu, wie sich Wartezeiten sinnvoll überbrücken lassen, lesen Sie in meinem Artikel Wartezeit auf einen Therapieplatz.
So nutzen Sie die 116117 möglichst gut
Auch wenn die Terminservicestelle nicht alles lösen kann, lohnt es sich, sie zu nutzen. Ein paar praktische Hinweise:
- Versichertenkarte bereithalten: Für die Vermittlung werden Ihre Versichertendaten benötigt.
- Flexibel sein: Wenn Sie bereit sind, auch in andere Bezirke zu fahren, steigen die Chancen auf einen zeitnahen Termin.
- Sprechstunde dokumentieren: Bewahren Sie die Unterlagen aus der Sprechstunde auf. Sie können später wichtig sein – etwa für eine Kostenerstattung.
- Absagen notieren: Schreiben Sie auf, welche Praxen Sie wann kontaktiert haben und was die Antwort war. Auch das kann für eine Kostenerstattung relevant sein.
- Nachfragen erlaubt: Fragen Sie in der Sprechstunde ruhig, wie es weitergehen kann und ob Ihnen die Praxis andere Kolleginnen und Kollegen empfehlen kann.
Alternative 1: Das Kostenerstattungsverfahren nach § 13 Abs. 3 SGB V
Wenn trotz intensiver Suche kein Kassenplatz in zumutbarer Zeit zu finden ist, gibt es einen gesetzlichen Weg, der vielen nicht bekannt ist: das Kostenerstattungsverfahren. Nach § 13 Abs. 3 SGB V kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung übernehmen, die sie selbst nicht rechtzeitig zur Verfügung stellen kann. In der Psychotherapie bedeutet das: Eine approbierte Psychotherapeutin oder ein approbierter Psychotherapeut ohne Kassenzulassung, etwa in einer Privatpraxis, behandelt Sie, und die Kasse erstattet unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten.
In der Regel gehört dazu, dass Sie die Sprechstunde wahrgenommen haben, die dringende Notwendigkeit der Behandlung belegen können und nachweisen, dass Sie sich erfolglos um einen Kassenplatz bemüht haben. Der Antrag muss vor Beginn der Behandlung gestellt werden. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich von Kasse zu Kasse, und Anträge werden nicht immer bewilligt. Fragen Sie deshalb direkt bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Unterlagen benötigt werden. Unterstützung bieten auch unabhängige Patientenberatungen.
Wichtig: Die Kostenerstattung gilt für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Approbation. Behandlungen bei Heilpraktikern für Psychotherapie fallen nicht darunter.
Alternative 2: Private Krankenversicherung und Beihilfe
Wenn Sie privat versichert oder beihilfeberechtigt sind, gelten andere Regeln. Viele private Tarife übernehmen Psychotherapie bei approbierten Therapeutinnen und Therapeuten, manche auch Leistungen von Heilpraktikern. Was genau erstattet wird, steht in Ihren Vertragsbedingungen. Lassen Sie sich die Kostenübernahme am besten vorab schriftlich bestätigen, damit es später keine Überraschungen gibt.
Alternative 3: Selbstzahlung – bei Psychotherapeuten oder Heilpraktikern
Eine weitere Möglichkeit ist, die Behandlung selbst zu bezahlen. Das ist nicht für jeden machbar, und es ist völlig legitim, auf einen Kassenplatz zu warten. Für manche Menschen ist Selbstzahlung aber eine bewusste Entscheidung, etwa weil sie schnell beginnen möchten oder bestimmte Vorteile schätzen. Welche das sein können, habe ich in meinem Beitrag Psychotherapie als Selbstzahler ausführlicher beschrieben.
Als Selbstzahlerin oder Selbstzahler können Sie sich an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Privatpraxen wenden oder an Heilpraktiker für Psychotherapie. Was es mit dieser Berufsbezeichnung auf sich hat, erkläre ich im nächsten Abschnitt.
Was ist ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie haben eine staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, die auf den Bereich der Psychotherapie beschränkt ist. Diese Erlaubnis wird nach einer Überprüfung beim Gesundheitsamt erteilt. Sie dürfen eigenständig psychotherapeutisch arbeiten, haben aber keine Approbation und keine Kassenzulassung. Einen ausführlichen Vergleich der Berufsgruppen finden Sie im Artikel Heilpraktiker und Psychotherapeut – der Unterschied.
Was für diesen Weg sprechen kann
- Kurzfristige Termine: Weil keine Wartelisten über das Kassensystem entstehen, sind Termine oft zeitnah möglich.
- Keine Meldung an die Krankenkasse: Als Selbstzahlerin oder Selbstzahler wird keine Diagnose an Ihre Krankenkasse übermittelt. Für manche ist das wichtig, etwa mit Blick auf spätere Versicherungsanträge oder schlicht aus dem Wunsch nach Diskretion.
- Kein Antragsverfahren: Sie entscheiden gemeinsam mit der Therapeutin, wie oft und wie lange Sie zusammenarbeiten.
- Flexible Formate: Neben Gesprächstherapie sind je nach Ausrichtung auch andere Methoden möglich, etwa Aufstellungsarbeit.
Wo die Grenzen liegen
- Keine Kassenleistung: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten nicht, auch nicht über das Kostenerstattungsverfahren.
- Kein Ersatz für die Notfallversorgung: Bei akuten psychiatrischen Krisen, Suizidgedanken oder Selbstgefährdung ist eine Heilpraktikerpraxis nicht die richtige Anlaufstelle. Dann braucht es sofort ärztliche oder psychiatrische Hilfe.
- Keine Medikamente und keine Krankschreibung: Beides ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
- Unterschiedliche Ausbildungswege: Fragen Sie nach Qualifikation, Arbeitsweise und Erfahrung. Eine seriöse Praxis beantwortet diese Fragen gern.
Mein Angebot in Prenzlauer Berg
Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie mit staatlicher Erlaubnis nach Überprüfung beim Gesundheitsamt Berlin. Ich arbeite psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundiert, in meiner Praxis in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, auf Deutsch oder Russisch. Neben der Einzeltherapie biete ich auch Familien- und Systemaufstellungen an.
Viele Menschen kommen zu mir, weil sie nach einer Sprechstunde nicht weiter wissen und nicht noch lange warten möchten. Manche nutzen die Zeit bei mir als Überbrückung, bis ein Kassenplatz frei wird, andere entscheiden sich bewusst für einen längeren Weg als Selbstzahlerin oder Selbstzahler. Beides ist in Ordnung. Am Anfang steht ein unverbindliches Kennenlerngespräch, in dem wir klären, ob mein Angebot zu Ihrem Anliegen passt – und wenn nicht, überlegen wir gemeinsam, wo Sie besser aufgehoben sind. Was eine Sitzung kostet, finden Sie offen auf der Seite Kosten.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Eine kleine Orientierung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Sie sind gesetzlich versichert und können warten: Sprechstunde über die 116117, danach aktiv nach einem Kassenplatz suchen und sich auf Wartelisten setzen lassen.
- Sie finden trotz Suche keinen Platz und die Behandlung ist dringend: Bei Ihrer Krankenkasse nach dem Kostenerstattungsverfahren fragen und Ihre Bemühungen dokumentieren.
- Sie sind privat versichert: Tarif prüfen und Kostenübernahme vorab klären.
- Sie möchten zeitnah beginnen, Diskretion ist Ihnen wichtig und Sie können die Kosten selbst tragen: Eine Privatpraxis oder eine Heilpraktikerin für Psychotherapie kann eine passende Option sein.
- Sie befinden sich in einer akuten Krise: Bitte nicht warten – nutzen Sie die Notfallnummern unten.
Häufige Fragen rund um 116117 und Psychotherapie
Brauche ich für die Sprechstunde eine Überweisung?
Für die psychotherapeutische Sprechstunde benötigen gesetzlich Versicherte keine Überweisung von der Hausärztin oder dem Hausarzt. Sie können sich direkt an die 116117 oder an eine Praxis wenden. Ein Gespräch in der hausärztlichen Praxis kann trotzdem sinnvoll sein, zum Beispiel um körperliche Ursachen von Beschwerden wie Schlafstörungen oder Erschöpfung abklären zu lassen.
Vermittelt die 116117 auch Termine in der Psychiatrie?
Die Terminservicestellen vermitteln auch Termine bei Fachärztinnen und Fachärzten, darunter in der Psychiatrie. Ob dafür eine Überweisung nötig ist und welche Fristen gelten, erfahren Sie direkt bei der 116117. Ein psychiatrischer Termin ist vor allem dann wichtig, wenn eine medikamentöse Behandlung im Raum steht oder eine ärztliche Diagnostik gebraucht wird.
Kann ich bei einer Heilpraktikerin beginnen und später zu einem Kassentherapeuten wechseln?
Ja, das ist möglich. Manche Menschen nutzen die Zeit bis zum Kassenplatz, um bereits an ihren Themen zu arbeiten. Wichtig ist nur, dass Sie offen darüber sprechen, wenn Sie parallel oder nacheinander in Behandlung sind. Gute Therapeutinnen und Therapeuten wissen damit umzugehen. Ihre Plätze auf Wartelisten müssen Sie deswegen nicht aufgeben.
Muss ich eine Diagnose haben, um zu einer Heilpraktikerin zu gehen?
Nein. Viele Menschen kommen mit Fragen, die sie schon länger beschäftigen: wiederkehrende Konflikte in Beziehungen, anhaltende Unzufriedenheit, Ängste, Trauer oder das Gefühl, sich im Kreis zu drehen. Gemeinsam schauen wir, was hinter dem Anliegen steht. Wenn sich dabei zeigt, dass eine ärztliche oder psychiatrische Abklärung sinnvoll ist, sage ich Ihnen das offen.
Wird bei Selbstzahlung wirklich nichts an die Krankenkasse gemeldet?
Wenn Sie selbst bezahlen und keine Rechnung bei einer Versicherung einreichen, erhält Ihre gesetzliche Krankenkasse keine Informationen über die Behandlung. Reichen Sie Rechnungen bei einer privaten Krankenversicherung oder Zusatzversicherung ein, erfährt diese natürlich davon. Selbstverständlich behandle ich alles, was Sie mir anvertrauen, vertraulich.
Wenn es gerade akut ist
Wenn Sie sich in einer seelischen Krise befinden, Gedanken an Suizid haben oder sich selbst nicht mehr sicher fühlen, wenden Sie sich bitte sofort an:
- Berliner Krisendienst: 030 390 63 00 – rund um die Uhr erreichbar
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 – kostenfrei und anonym
- Notruf: 112
Auch die nächste psychiatrische Notaufnahme eines Krankenhauses ist jederzeit für Sie da.
Sie möchten nicht monatelang warten?
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch klären wir, ob meine Arbeit zu Ihrem Anliegen passt. Jetzt Termin online buchen