Begleitung bei Suchtthemen: Wege in ein abstinentes Leben
„Ich könnte jederzeit aufhören. Ich will nur gerade nicht." Diesen Satz habe ich in all den Jahren so oft gehört, dass ich ihn fast mitsprechen kann. Er ist selten eine Lüge – er ist meist eine Hoffnung, an die man sich klammert, während der Boden schon leise nachgibt. Ich schreibe diesen Text nicht von außen. Seit 2012 leite ich ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe der Caritas zum Thema Sucht. Ich habe dort über viele Jahre Menschen kommen und gehen sehen, Rückfälle erlebt, Neuanfänge gefeiert, und ich habe eines gelernt: Sucht ist keine Frage von Charakter oder Willensstärke. Sie ist ein Weg, der leise beginnt – und aus dem es einen Weg zurück gibt.
Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin-Prenzlauer Berg. In diesem Artikel möchte ich ehrlich über Suchtthemen sprechen, Ihnen zeigen, wie Begleitung aussehen kann, und klar sagen, wo meine Arbeit hilft und wo medizinische Behandlung an den Anfang gehört. Alle Beispiele sind anonymisiert und aus mehreren Geschichten zusammengesetzt.
Sucht ist kein Willensproblem
Beginnen wir mit dem größten Missverständnis, weil es so viel Leid verursacht: Sucht ist keine Charakterschwäche. Sie ist eine anerkannte Erkrankung, bei der sich im Gehirn über die Zeit tiefe Bahnen einschleifen – das Belohnungssystem wird gekapert, und was einmal Genuss war, wird zur Notwendigkeit. Wer süchtig ist, hört nicht deshalb nicht auf, weil ihm der Wille fehlt, sondern weil die Erkrankung genau die Steuerung angreift, die man zum Aufhören bräuchte.
Diese Einsicht ist keine Ausrede. Im Gegenteil: Sie ist der Anfang von Verantwortung, weil sie den unfruchtbaren Kampf gegen die eigene angebliche Schwäche beendet. Solange jemand glaubt, er müsse sich nur „mehr zusammenreißen", bleibt er im Scham-Rückfall-Scham-Kreis gefangen. Erst wenn Sucht als das verstanden wird, was sie ist – eine Erkrankung, die Behandlung und Begleitung braucht –, wird der Ausstieg denkbar. In der Selbsthilfegruppe erlebe ich diesen Moment immer wieder: wie sich etwas löst, wenn jemand zum ersten Mal hört, dass er nicht willensschwach, sondern krank ist. Und dass krank sein bedeutet: Es gibt Hilfe.
Die vielen Formen der Sucht
Wenn man „Sucht" hört, denkt man an das Extreme. Dabei beginnt sie fast immer unauffällig, und sie hat viele Gesichter.
Da ist der Alkohol, gesellschaftlich so akzeptiert, dass die Grenze zur Abhängigkeit oft niemand bemerkt – am wenigsten der Betroffene selbst. Das „Feierabendbier", das zur Notwendigkeit wird. Das Glas Wein, das immer früher am Tag steht. Da sind Medikamente, oft ärztlich begonnen und dann verselbständigt – Schlaf- und Beruhigungsmittel, deren Wegfall Angst macht. Da sind illegale Substanzen. Und da sind die Süchte ohne Stoff, die man lange gar nicht ernst nimmt: das Glücksspiel, das leise Konten leert; die Kaufsucht; das exzessive Spielen und Scrollen; die Abhängigkeit, die sich um Essen dreht.
All diesen Formen ist eines gemeinsam: Ein Verhalten, das ursprünglich ein Bedürfnis erfüllt hat – nach Entspannung, nach Betäubung, nach Kontrolle, nach einem Moment, in dem es sich gut anfühlt –, hat die Kontrolle übernommen. Und der Betroffene beginnt, sein Leben um dieses Verhalten herum zu organisieren, während er sich einredet, es sei umgekehrt.
Woran Sie merken, dass es zu viel geworden ist
Die Grenze zwischen Genuss und Abhängigkeit verläuft nicht scharf, aber es gibt Zeichen, die aus der Erfahrung sprechen. Fragen Sie sich ehrlich:
- Denken Sie öfter daran, als Ihnen lieb ist? Freuen Sie sich schon vormittags auf den Abend, an dem es „wieder so weit" ist?
- Haben Sie sich selbst schon Grenzen gesetzt – „nur am Wochenende", „nur zwei" – und diese immer wieder überschritten?
- Verheimlichen Sie das Ausmaß? Trinken Sie heimlich, verstecken Sie Belege, spielen Sie Mengen herunter, wenn jemand fragt?
- Brauchen Sie mehr für dieselbe Wirkung als früher?
- Wird es unangenehm, wenn Sie es weglassen – körperlich oder als Unruhe, Reizbarkeit, Getriebensein?
- Hat schon jemand aus Ihrem Umfeld etwas gesagt? (Das Umfeld sieht es fast immer früher.)
Wenn Sie mehrmals innerlich genickt haben, ist das kein Urteil – es ist eine Einladung, genauer hinzuschauen. Und der ehrlichste Test von allen ist oft der einfachste: Versuchen Sie einmal ganz bewusst, für einen festgelegten Zeitraum aufzuhören. Wie leicht oder schwer das fällt und was dabei in Ihnen passiert, sagt Ihnen mehr als jede Checkliste.
In einer akuten Krise oder bei körperlichem Entzug.
Ein Entzug von Alkohol oder Beruhigungsmitteln kann körperlich gefährlich sein und gehört ärztlich begleitet – bitte versuchen Sie ihn nicht im Alleingang. In seelischen Krisen erreichen Sie den Krisendienst Berlin rund um die Uhr unter 030 390 63 00 und die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, kostenfrei und auf Wunsch anonym. In akuter Lebensgefahr wählen Sie die 112.
Was unter der Sucht liegt
In der Selbsthilfegruppe wie in meiner Praxis stelle ich immer wieder dieselbe Frage: Wovor hat die Sucht Sie beschützt? Denn kaum jemand wird süchtig, weil ihm langweilig ist. Fast immer erfüllt das Suchtmittel eine Aufgabe. Es betäubt einen Schmerz, für den es keine Worte gab. Es beruhigt eine Angst, die zu groß war. Es füllt eine Leere, die von weit her kommt. Es gibt für einen Moment das Gefühl von Kontrolle oder von Wärme, das sonst fehlt.
Deshalb reicht es nicht, nur das Verhalten zu stoppen. Wer nur das Trinken weglässt, ohne zu verstehen, was das Trinken getragen hat, steht bald vor einer offenen Wunde ohne Verband – und die Rückfallgefahr ist groß. Genau hier liegt der Kern meiner Arbeit: nicht nur die Abstinenz zu stützen, sondern zu verstehen, was darunter liegt. Manchmal ist es ein altes Trauma, manchmal eine unerträgliche Leere, manchmal ein Muster, das aus der Familie kommt. In vielen Familien wird Sucht über Generationen weitergereicht, offen oder verschwiegen; wer einen trinkenden Vater hatte, trägt oft mehr mit, als ihm bewusst ist. Diese tiefere Ebene beschreibe ich in meinem Artikel über transgenerationale Muster.
Wie ich Sie begleiten kann – und wo die Grenze liegt
Hier möchte ich ganz klar sein, weil es um Ihre Gesundheit geht. Eine Suchterkrankung, besonders eine körperliche Abhängigkeit, gehört in medizinische Behandlung. Der körperliche Entzug von Alkohol oder Medikamenten kann gefährlich sein und muss ärztlich begleitet werden – oft in einer Klinik, gefolgt von einer Entwöhnungsbehandlung, einer Reha oder einer Suchtberatungsstelle. Diese Behandlung kann und will ich nicht ersetzen. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie behandle ich keine Suchterkrankung im Alleingang.
Was ich begleitend und ergänzend anbieten kann, ist wertvoll und hat seinen festen Platz: die seelische Arbeit neben oder nach der medizinischen Behandlung. Der Ort, an dem Sie verstehen, was Ihre Sucht getragen hat, an dem Sie den alten Schmerz anschauen, ohne ihn zu betäuben, an dem Sie lernen, mit Auslösern umzugehen und ein Leben aufzubauen, in dem das Suchtmittel keinen Platz mehr braucht. Ich sage Ihnen offen, wenn ich denke, dass Sie zuerst ärztliche Hilfe brauchen – und ich helfe Ihnen, den richtigen nächsten Schritt zu finden.
Wie fühlt sich meine Begleitung an? Sie sitzen in einem ruhigen Raum in der Schliemannstraße 41 in Prenzlauer Berg, in einem echten 1:1-Rahmen. Hier wird nicht moralisiert und nicht mit dem Finger gezeigt. Ich kenne die Scham, die zum Thema Sucht gehört, aus vielen Jahren Gruppenarbeit, und ich weiß, wie viel Mut es kostet, überhaupt darüber zu sprechen. Bei mir dürfen Sie ehrlich sein, ohne Angst vor Verurteilung. Und weil meine Arbeit diskret ist – keine Kassenmeldung, keine Diagnose in einer Akte –, ist sie gerade für Menschen geeignet, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen auf Vertraulichkeit angewiesen sind.
Der erste Schritt ist der schwerste – und der wichtigste.
Sie müssen den Weg nicht allein gehen. Lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – ergänzend zu medizinischer Hilfe, wo sie nötig ist. Unverbindlich und diskret. Sie erreichen mich täglich 8–20 Uhr unter +49 1573 0208093 und online über Online-Termin.
Warum die Gruppe eine besondere Kraft hat
Aus meiner langjährigen Arbeit mit der Caritas-Gruppe weiß ich, wie stark der Rahmen einer Gruppe gerade bei Suchtthemen wirken kann. Es passiert etwas Entscheidendes, wenn ein Mensch zum ersten Mal in einem Raum sitzt, in dem alle anderen dasselbe kennen: Die Scham verliert ihre Macht. Man muss nichts erklären, nichts beschönigen. Man wird gesehen, ohne verurteilt zu werden. Und man erlebt an anderen, dass Veränderung möglich ist – das ist oft überzeugender als jeder gute Rat.
Deshalb kann neben der Einzelarbeit auch eine Gruppe ein tragender Baustein sein. Manche Menschen brauchen beides: den geschützten 1:1-Raum, um an den tiefen, sehr persönlichen Wunden zu arbeiten, und die Gruppe, um die Erfahrung zu machen, nicht allein zu sein. Was zu Ihnen passt, finden wir gemeinsam heraus.
Erste Schritte, die Sie heute gehen können
- Sagen Sie es einem Menschen. Laut. „Ich glaube, ich habe ein Problem." Dieser Satz ist der schwerste und der wichtigste. Solange es Geheimnis bleibt, behält die Sucht die Oberhand.
- Suchen Sie ärztlichen Rat, bevor Sie bei körperlicher Abhängigkeit einen Entzug versuchen. Bitte nie im Alleingang bei Alkohol oder Beruhigungsmitteln.
- Führen Sie ein ehrliches Protokoll. Notieren Sie eine Woche lang, wann, wie viel und in welcher Situation. Die Zahlen auf Papier sind oft ernüchternder als die im Kopf.
- Meiden Sie am Anfang die typischen Auslöser, so gut es geht – Orte, Menschen, Situationen, die eng mit dem Konsum verbunden sind.
- Holen Sie sich Verbündete. Eine Suchtberatungsstelle, eine Selbsthilfegruppe, eine Begleitung wie meine. Allein ist der Weg viel schwerer, als er sein muss.
Häufige Einwände – und meine Antworten
„Bin ich überhaupt ‚schlimm genug' für Hilfe?"
Diese Frage höre ich oft, und meine Antwort ist immer dieselbe: Sie müssen nicht am Boden sein, um Hilfe zu verdienen. Im Gegenteil – je früher, desto leichter der Weg. Dass Sie sich die Frage stellen, ist schon ein Zeichen, dass ein Teil von Ihnen die Wahrheit kennt. Warten Sie nicht auf den großen Tiefpunkt.
„Bringt Reden überhaupt etwas gegen eine Sucht?"
Reden allein ersetzt keine medizinische Behandlung, das sage ich klar. Aber die seelische Arbeit ist oft das, was die Abstinenz auf Dauer trägt. Wer versteht, was seine Sucht getragen hat, und einen neuen Umgang mit dem alten Schmerz findet, wird deutlich seltener rückfällig. Eine Garantie gibt es nicht – aber die Erfahrung aus vielen Jahren spricht dafür.
„Ist mir das zu teuer?"
Eine Einzelsitzung kostet 90 € (55 Minuten), 120 € (90 Minuten) oder 160 € (120 Minuten), eine Gruppensitzung 80 €. Buchen Sie Pakete direkt, sparen Sie 10 bis 20 Prozent, gültig ein Jahr; alles steht auf der Seite Kosten. Rechnen Sie einmal ehrlich zusammen, was die Sucht Sie kostet – finanziell, gesundheitlich, an Beziehungen. Dagegen ist Hilfe die kleinere Investition. Und weil die Kasse nicht zahlt, entsteht auch keine Diagnose in Ihrer Akte und keine Meldung an irgendeine Stelle.
„Muss ich mich schämen?"
Nein. Scham ist der treueste Verbündete der Sucht – sie hält sie im Verborgenen und damit am Leben. In meiner Arbeit hat Scham keinen Platz. Sie treffen bei mir auf jemanden, der seit über einem Jahrzehnt mit suchtkranken Menschen arbeitet und genau weiß, dass hinter jeder Sucht ein Mensch mit einer Geschichte steht, nicht ein Versagen.
Zum Schluss: Ein abstinentes Leben ist möglich
Ich habe in all den Jahren mit der Caritas-Gruppe viele Menschen erlebt, die es geschafft haben – nicht auf einem geraden Weg, oft mit Rückschlägen, aber Schritt für Schritt zurück in ein Leben, das ihnen wieder gehört. Ein Rückfall ist dabei kein Beweis des Scheiterns, sondern ein Teil, den viele Wege enthalten; entscheidend ist, wieder aufzustehen. Was ich sicher weiß: Der erste Schritt ist der schwerste, und er ist immer derselbe – die Ehrlichkeit, dass man Hilfe braucht.
Dass Sie diesen Text gelesen haben, könnte dieser erste Schritt sein. Der zweite ist ein Gespräch. Sie müssen den Weg nicht allein gehen, und Sie müssen ihn nicht heute schon ganz überblicken. Ein ruhiger Anfang genügt.
Lernen wir uns kennen.
In einem unverbindlichen, diskreten Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann – ergänzend zu medizinischer Hilfe, wo sie nötig ist. Meine Praxis liegt in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, Termine sind meist kurzfristig möglich, auf Deutsch oder Russisch. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093 (täglich 8–20 Uhr) oder per E-Mail an n.spurman@hotmail.com, schreiben Sie mir über die Kontaktseite und buchen Sie online über Online-Termin. Mehr über meinen Weg lesen Sie hier. In akuten Krisen: Krisendienst Berlin 030 390 63 00, rund um die Uhr.